Transmitting Wind

Telematische Installation; Echtzeitübertragung von Winddaten und Verfolgung atmosphärischer Staubbewegungen aus „entfernten Landschaften”

Förderpreisausstellungen 2025/26

Mit den Ausstellungen der Förderpreisträger:innen 2025/26 präsentiert die Arthur Boskamp-Stiftung zwei künstlerisch forschende Positionen, die sich auf unterschiedliche Weise mit ökologischen, translokalen und materiellen Zusammenhängen auseinandersetzen. Während das kollaborative Projekt Modularküche von Paula König, Liliana Escalhão und Johann König Essen als Medium kultureller Übersetzung und kollektiver Wissensproduktion begreift, untersucht die Künstlerin Eda Aslan in Transmitting Wind Luftströme als Träger politischer und materieller Geschichte. Beide Projekte eröffnen körperliche und diskursive Zugänge zu Fragen von Ökologie, Erinnerung und Alltagskultur.
Ausstellungsdauer: 10. Mai bis 4. Juli 2026
Eröffnung: 9. Mai 2026, 14:00 Uhr

Für die Ausstellung im M.1 der Arthur Boskamp-Stiftung, präsentiert Eda Aslan eine neue raumgreifende Installation, die eine translokale Verbindung zwischen einer fern gelegenen Landschaft und dem Ausstellungsraum in Hohenlockstedt herstellt, indem sie die Koordinaten und meteorologischen Daten eines Staubsturms, der häufig über Europa hinwegzieht, in Echtzeit überträgt. Durch die Datenerfassung der spezifischen Standorte dieses atmosphärischen Phänomens verwendet die Installation Datenströme, um Ventilatoren in der Ausstellung anzusteuern und so die Sturmbewegung in eine räumliche Strömung umzuwandeln. Was anderswo in Form von atmosphärischen Bewegungen aufgezeichnet wird, erscheint hier als subtile physische Präsenz – spürbar als Luftstrom, als Druck oder als leichtes Kribbeln auf der Haut.

Begleitet von Texten und Forschungsmaterialien bringt die Installation eine leise Störung – ein „invasives Element“ – in den Ausstellungsraum: eine Atmosphäre, die von anderswo zu kommen scheint und ferne Geografien in wahrnehmbare Nähe rückt und mit ihnen ihre Sedimente der Erinnerung.

Diese Verbindung wird zu einer Beziehung – sie bleibt nicht abstrakt. Sie verbindet den Ausstellungsraum mit einer bestimmten Landschaft und ihren politischen Sedimenten. Zwischen körperlicher Empfindung und makropolitischer Geschichte eröffnet die Arbeit ein Feld situativer Materialität, in dem Erinnerung und Toxizität, Bewahrung und Auslöschung miteinander verflochten sind. Die Arbeit macht es möglich zu erfahren, wie Institutionen Atmosphären nicht nur bewahren, sondern sich auch aneignen – als „atmosphärische Annexion”, die das Ferne in die Gegenwart des Raumes einschreibt.

Die Arbeit ist Teil von Aslans langfristigem Forschungsprojekt „It was their dust that we breathed in“, das die „Pathologie der Pflege“ innerhalb von Institutionen untersucht und die Toxizität in Archiven nicht nur symbolisch versteht. Aslan verfolgt die bürokratischen und chemischen Verfahren, denen Erinnerungsobjekte zwischen Konservierung, Auslagerung und Vernichtung unterzogen werden und die oft auch mit ideologischen Entscheidungen zu tun haben. Ihre Arbeiten rücken die oft unsichtbaren toxischen Materialien in diesen Sammlungen in den Fokus. Sammlungsobjekte sind häufig mit giftigen Stäuben wie Quecksilberchlorid kontaminiert. Indem sie Staub, Wind und Klima als aktive Wirkstoffe in den Mittelpunkt stellt – einen oft unbeachteten materiellen Aspekt von Sammlungen –, hinterfragt sie die vermeintlich neutrale und sterile Ordnung der Institution: Konservierung und Zerstörung entpuppen sich als miteinander verflochtene Politiken – als Umgang mit Materie, als Zugang zu Atmosphären.
Eda Aslan (*1993 in Istanbul) ist eine in Hamburg lebende Künstlerin. Sie absolvierte ein Studium der Bildenden Kunst an der Marmaran Universität in Instanbul, sowie an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg im Fachbereich Zeitbasierte Medien.
In ihrer künstlerischen Praxis untersucht sie die politischen, ökologischen und geografischen Spuren, die in zirkulierenden Rohstoffen eingebettet sind, und bewegt sich dabei zwischen Skulptur, Text, Klang und Archivforschung. Zuletzt wurde sie mit dem Max-Pechstein-Preis (2025), dem Karl-Ditze-Preis (2025) und dem Arbeitsstipendium für Bildende Kunst der Behörde für Kultur und Medien Hamburg (2026) ausgezeichnet.

Förderpreise

Die Förderpreise der Arthur Boskamp-Stiftung werden alle zwei Jahre vergeben und richten sich an Künstler:innen mit einem Bezug zu Norddeutschland. Neben einer finanziellen Förderung und einer Ausstellung im M.1 erhalten die Preisträger:innen die Möglichkeit, bis zu zwei Monate lang eine Gästewohnung und ein Atelier im M.1 in Hohenlockstedt zu nutzen.

Die Ausschreibung für die Förderpreise 2025/26 orientierte sich am kuratorischen Programm Kunst als ökologische Praxis des künstlerischen Leiters Ronald Kolb. Es richtete sich an künstlerische Positionen, die forschend und partizipativ an der Schnittstelle von Kunst, Wissenschaft, Ökologie und Nachhaltigkeit arbeiten.

Über die Vergabe der Auszeichnung entschied eine Fachjury, die in diesem Jahr mit Liliana Gomez (Professorin für Kunst und Gesellschaft, Universität Kassel), Alistair Hudson (Vorstand Zentrum für Kunst und Medien, Karlsruhe), Ulrike Boskamp (Vorstand Arthur Boskamp-Stiftung) und Ronald Kolb (Künstlerische Leitung 2025/2026, Arthur Boskamp-Stiftung) besetzt war.

Ausstellungsdauer: 10. Mai bis 4. Juli 2026
Eröffnung: 9. Mai 2026, 14:00 Uhr
Ort: M.1 Arthur Boskamp-Stiftung, Breite Str. 18, 25551 Hohenlockstedt

Öffentliche Führungen
Sonntag, 23. Mai 2026, 14:00 Uhr
Samstag, 6. Juni 2026, 15:00 Uhr

Abschlussveranstaltung mit Führung und Vorstellungen der Förderpreis-Kataloge:
4. Juli 2026, 15:00 Uhr, zusammen mit dem M.1-Sommerfest

Reguläre Öffnungszeiten während der Laufzeit:
Samstag und Sonntag, 14:00–18:00 Uhr
Individuelle Führungen sind nach Vereinbarung gerne möglich: Ronald Kolb rk@arthurboskamp-stiftung.de

Termine

2026

4. Juli 15 Uhr Abschlussveranstaltung mit Führung und Vorstellungen der Förderpreis-Kataloge
6. Juni 15 Uhr Öffentliche Führung durch die Ausstellung
23. Mai 14 Uhr Öffentliche Führung durch die Ausstellung
10. Mai 14–18 Uhr Ausstellung geöffnet
9. Mai 14 Uhr Ausstellungeröffnung