Parents in Arts 2026
Das deutschlandweit beispielgebende Programm Parents in Arts der Behörde für Kultur und Medien Hamburg ist in diesem Jahr zum zweiten Mal Gast im M.1 der Arthur Boskamp-Stiftung in Hohenlockstedt, Schleswig-Holstein. Bewerben konnten sich Kunst- und Literaturschaffende aus Hamburg, die in Elternverantwortung stehen.
Aus zahlreichen spannenden Bewerbungen hat sich die Fachjury für sechs Kandidat:innen entschieden. Im Bereich Bildende Kunst wurden ausgewählt: Michal Baror, Bojana Fužinato Stamenković und Clara Lena Langenbach. Im Bereich Literatur gehen die Stipendien an Annina Brell, Alisha Hillam und Janny Malagia.
Die Stipendiat:innen verbringen ihre jeweils zweiwöchigen Stipendienaufenthalte zwischen Juli und September 2026 im M.1. Sie reisen wahlweise mit Kindern oder ohne Kinder an. Für Aufenthalte mit Kindern wird eine Betreuung zur Verfügung gestellt.
Das Parents in Arts-Stipendium zeichnet sich dadurch aus, dass es in enger Abstimmung mit Künstler:innen und Autor:innen in Elternschaft entwickelt wurde, so dass ihre Bedürfnisse gezielt in die Gestaltung des Stipendiums einbezogen werden konnten. Durch vergleichsweise kurze Residenzaufenthalte sowie die Möglichkeit einer Kinderbetreuung vor Ort können sich die geförderten Eltern optimal auf ihre künstlerischen Arbeiten konzentrieren und gleichzeitig flexibel bleiben. Die aus den Bewerbungen ersichtliche Dringlichkeit zeigt den großen Bedarf an inklusiven Fördermöglichkeiten, die künstlerische Teilhabe für Personen mit unterschiedlichen Bedürfnissen ermöglichen.
Die Künstler:innen wohnen während des Stipendiums im M.1 der Arthur Boskamp-Stiftung in Hohenlockstedt, einer ehemaligen Kaserne aus dem frühen 20. Jahrhundert. Die 2007 eröffnete gemeinnützige Arthur Boskamp-Stiftung hat die Förderung von bildender Kunst und Kultur zur Aufgabe. Zentral für ihren Ansatz ist die Kombination aus internationaler Ausrichtung, lokaler Kulturarbeit und bewusster Verortung im ländlichen Raum. Die Ausstellungs- und Veranstaltungsräume des M.1 werden von wechselnden künstlerischen Leitungen bespielt. Im Haus stehen zwei voll ausgestattete Gästewohnungen zur Verfügung. Darüber hinaus können eine Gemeinschaftsküche, eine Bibliothek sowie ein gemeinschaftlicher Atelierraum genutzt werden. Das Haus verfügt weiterhin über einen separaten Kinder- und Spieleraum sowie über einen großzügigen Garten.
Die Jury bestand aus Joanna Warsza (Stadtkuratorin Hamburg), Lulu MacDonald (Bildende Künstlerin), David Fletcher (Bildender Künstler und ehemaliger Stipendiat), sowie Lubi Barre (Autorin und Kuratorin), Annika Dorau (Geschäftsführerin des Literaturzentrum Hamburg) und Clara Umbach (Autorin, Bildende Künstlerin und ehemalige Stipendiatin).
Die Stipendiat:innen 2026:
Die Bildende Künstlerin Michal Baror, geboren 1984, studierte am Royal College of Art in London und an der Bezalel Academy of Art & Design in Jerusalem. Derzeit ist sie PhD-Kandidatin in Art Practice an der HFBK Hamburg. Im M.1 der Arthur Boskamp-Stiftung wird sie eine künstlerische Arbeit beginnen, die sich mit generationsübergreifender Erinnerung, Vertreibung und der Politik des Betrachtens auseinandersetzt.
Die Comic-Zeichnerin Annina Brell, geboren 1989, studierte Grafisches Erzählen an der HAW Hamburg. Neben ihrer künstlerischen Praxis, ist Annina Brell auch als Kuratorin und Comiclektorin tätig. Für ihre Arbeit erhielt sie verschiedene Auszeichnungen, sie war u.a. Stipendiatin des StART.up-Stipendiums (2022) und des Hamburger Zukunftsstipendiums (2021). Im Residenzzeitraum wird sie an ihrem Comic-Projekt, einer feministischen Adaption des Märchens Die Schöne und das Biest, weiterarbeiten, das Geschlechterrollen und Erzählkonventionen hinterfragt.
Die bildende Künstlerin Bojana Fužinato Stamenković, geboren 1986, hat an der University of Arts in Belgrade studiert. Ihr Schaffen konzentriert sich auf feministische Kunst und umfasst Installationen, Skulpturen, Weben, Stickerei, Näharbeiten, Videos, Klangkunst und Performances. Sie nahm europaweit an Gruppenausstellungen teil und präsentierte ihre Werke in zahlreichen Einzelausstellungen in Serbien. Während des Stipendiums möchte sie ihre Arbeit mit Textilien fortsetzen und dabei insbesondere mit handgewebten Strukturen und Wolle experimentieren.
Die Autorin und Dichterin Alisha Erin Hillam, geboren 1985, studierte Amerikanische und Deutsche Geschichte an der Purdue University in Indiana, USA. Sie veröffentlichte ihre Gedichte u. a. im Abstract Magazine, Barrelhouse Magazine und bei Only Poems. Während der Residenz möchte sie ein Buchprojekt weiterentwickeln, das im heutigen Danzig spielt und die Beziehung zweier Besucher:innen untersucht, die beide eine persönliche Verbindung zur Stadt haben. Sie beschäftigt sich mit der Frage, auf welche Weise Orte Beziehungen prägen und formen.
Die Bildende Künstlerin Clara Lena Langenbach, geboren 1987, studierte an der HFBK Hamburg. Sie zeigte ihre Arbeit, die sich häufig mit dem Körper und seinen physischen und gesellschaftlichen Verformungen beschäftigen, u.a. in der artothek Köln und bei Simian in Kopenhagen. Während des Stipendiums arbeitet sie an ihrem künstlerischen Forschungsprojekt From glass ceilings, careless whisper and compressions, das sich mit unsichtbaren Einflüssen und Normierungen des menschlichen Körpers beschäftigt.
Die Autorin für Film und Fernsehen Janny Malagia, geboren 1980, studierte an der Hamburg Media School. Sie ist Alumni des Eureka-Programms am Series Mania Institut in Lille (Frankreich). In ihren Texten verhandelt sie Brüche in Biografien, in Identitäten und in Köpern und schreibt über Figuren, die sich am gesellschaftlichen Rand bewegen. Während der Residenz möchte sie ihren ersten Kurzgeschichten-band fertigstellen, der Texte über Personen versammelt, die sich hinter Coolness, Armut oder Stolz verbergen, und den Momenten, in denen diese Fassaden brechen.